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Das interessierte Publikum?

13.05.2014 | Rückblick

Themenabend mit Romeo Franz „Lebenswirklichkeit der Roma - Wie aus Bürgern Zigeuner gemacht werden“

Über die Lebenswirklichkeit der Roma in Serbien, Bulgarien und Rumänien berichtete Romeo Franz, Vorsitzender der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, am 13. Mai im Gemeindesaal des Prot. Dekanates Germersheim.

Romeo Franz bezeichnet sich selbst als preussischer Sinto, Meisterschüler von Schnuckenack Reinhardt, sowie Bürgerrechtler. Zu dem Themanabend kam er als Geschäftsführer der „Hildegard-Lagrenne-Siftung“. Deutsche Sinti und Roma wollen mit dieser neu gegründeten Stiftung die nach wie vor bedrückende Lage ihrer Minderheit verbessern. Eingeladen hatten, Amnesty International-Gruppe Germersheim, Ev. Studierendengemeinde und Kath. Hochschulseelsorge an der Uni Germersheim, sowie der Beirat für Integration und Migration im Kreis Germersheim. Aufgrund des EU Freizügigkeitsabkommens, wurde der Arbeitsmarkt ab 01.01.2014 für Menschen aus Rumänien und Bulgarien geöffnet. Ziel dieser Veranstaltung war es unter Anderem zur Versachlichung der hochgekochten und zum Teil populistisch geführten Debatte beitragen.

Romeo Franz informierte ein interessiertes Publikum darüber, dass Sinti und Roma seit 200 bis 600 Jahren in Europa heimisch sind. Die Namensbezeichnung wurde ihnen von außen gegeben und entspricht nicht ihrem Selbstverständnis.

Die Romabevölkerung in Serbien, Bulgarien und Rumänien ist der dortigen Gesellschaft ausgegrenzt, zum Teil sind sie nicht einmal registriert. So gibt es Schulen, die nur von Roma-Kindern besucht werden dürfen, Siedlungen von Roma, die nicht an die allgemeine Kanalisation angeschlossen werden. Bürger und Firmen entsorgen, um Kosten zu sparen, ihren Müll in direkter Nähe der Roma-Siedlungen. Die hygienischen Gegebenheiten führen zu größerer Sterblichkeit der Roma-Bevölkerung.

Ein Großteil Roma in Serbien ist vor 20 Jahren aus dem Kosovo geflohen. Herr Franz berichtet von einem Roma-Angehörigen, der nach dem Krieg in seine alte Heimat im Kosovo kam, um sein Haus wiederzusehen. Er erlebte, dass sein Haus von anderen Menschen bewohnt war, ein Nachbar kam hinzu und drohte ihm mit Waffengewalt, wenn er nochmals hier her zurück käme.

Roma-Angehörige werden immer wieder als Sündenböcke für gesellschaftliche Probleme oder Missstände verantwortlich gemacht. Unter den 20.000 „Roma“, die vor einigen Jahren der französische Präsident Sarkozy vertreiben ließ, waren lediglich 70-80 Roma aus Südosteuropa. Ein großes Problem in Serbien ist die allgemeine Korruption: so werden Gelder aus der EU für Aufbaumaßnahmen nicht bestimmungsgemäß eingesetzt.

Ein Gesetz in Serbien stellt unter Strafe, wenn serbische Staatsangehörige in einem EU-Land soziale Unterstützung beantragen. Serbische Staatsangehörige, die z.B. aus Deutschland nach Serbien zurück geschickt werden, müssen dort mit einer Strafe rechnen. Diese und viele weitere schockierende Tatsachen wurden durch Fotos, die Romeo Franz während seiner Reise gemacht hatte, sichtbar und empörten die anwesenden zutiefst. Bei der anschließenden regen Diskussion kamen auch aktuelle Fragen und regionale Themen und Ängste angesprochen. Diese wurden durch den Referenten des Abends und den als Gast anwesenden 1. Polizeihauptkommissaren Wolfgang Zöller konnten ausführlich beantwortet werden.